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Die Leipziger Musikerin und Produzentin underneath all currents und nevertrustcockrock trafen sich zum Musik- und Techniktalk. Nebenbei wurde der Plattenspieler noch repariert. In ihrer Musik verbindet underneath all currents Industrial-Sounds mit Filmzitaten und evoziert damit unheimliche Klangbilder und offene Fragen. Die Antworten darauf könnt ihr im Interview nachlesen.

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Seit wann machst du Musik und wie fing das Projekt underneath all currents an?

Musik mach ich seit ich dreizehn bin, ich hab Schlagzeug und Keyboard gelernt und in Bands gespielt. Elektronische Musik mach ich seit 2007.

Wie ist der Übergang vom Instrument zur elektronischen Musik zustande gekommen?

Eigentlich kam das aus einer Frustsituation heraus, weil ich mit meinen Bands immer unzufrieden war. Ein Bandprojekt war gerade mal wieder gescheitert und ich wollte dann trotzdem noch Schlagzeug spielen und elektronisch die Hintergrundmusik machen. Das habe ich aber nie umsetzen können, ich bin eher melodiös geblieben. Aber es ist noch im Hinterkopf und das würde ich gern mal machen. Angefangen hat dann alles mit dem Musikproduktionsprogramm Reason, mit dem ich bis jetzt noch arbeite. Am Anfang hatte ich überhaupt keinen Plan, wie alles funktioniert und es war anfänglich sehr frustrierend, aber ich arbeite immer noch damit und entdecke weiterhin tolle Sachen, die man damit machen kann.

Wie hast du dir Reason angeeignet – autodidaktisch oder im Austausch mit anderen oder ganz anders?

Da gibt es ein dickes Handbuch, das habe ich mir durchgeschaut. Aber das kam dann eher durch Ausprobieren, das Lesen im Handbuch macht nicht wirklich Sinn. Meistens probiere ich aus, ohne zu wissen was ich tue.

Es klingt sehr gut, was dabei herauskommt. Was ist das Schöne für dich mit Reason zu arbeiten?

Ich sehe kaum Grenzen, außer dass ich nicht das Wissen habe, das umzusetzen, was ich will, denke ich nicht, dass es mich einschränkt in einer Arbeitsweise und man kann immer was Neues lernen in dem Programm.

Welchen Einfluss hat es auf deine Musik, dass du Instrumente gelernt hast. Wie baust du beispielsweise Harmonien auf? Machst du das nach Gehör oder gehst du da musiktheoretisch ran?

Ich hab allgemein das Gefühl, dass obwohl ich Keyboard gelernt habe, oft in dem Programm einfach was ausprobiere ohne darauf zu achten, dass das gute Harmonien sind. Das ergibt sich immer, ohne dass ich groß nachdenke. Das klingt natürlich auch völlig anders mit einem Programm als auf dem Klavier, da braucht man nicht wirklich musikalisches Hintergrundwissen, wenn man einigermaßen musikalisch ist. Ich würde eher sagen, dass rhythmische Sachen einfließen, obwohl in meinen Lieder nicht viel an Schlagzeug-Instrumentierung passiert.

Wie gehst du ans Mixen und Mastern ran? Gibt es da eine spezielle Vorgehensweise?

Ich mixe und ich mastere nicht. Ich habe mich mit einem Freund, der auch Musik macht darüber ausgetauscht, wie meine Tracks besser klingen können, aber ich bis jetzt bin ich Laie geblieben. Aber ich bin schon daran interessiert, wie meine Tracks besser klingen können.

Du benutzt viele Industrialsounds in deiner Musik und erzeugst damit eine sehr räumliche Stimmung. Nutzt du Samples, nimmst du selber Sounds auf oder benutzt du Plugins/virtuelle Instrumente oder reelle Instrumente oder benutzt du Sounds aus der Soundbibliothek von Reason? Wie erzeugst du deine Sounds?

Reelle Instrumente nutze ich gar nicht, ich nehme nur das was mir das Programm geben kann. Außerdem benutze ich Samples aus Filmen oder youtube Videos. In letzter Zeit habe ich auch meine Stimme eingesetzt und das verfremdet, aber das mochte ich nicht so. Ich arbeite tatsächlich nur mit diesem Programm.

Wie erzeugst du Räumlichkeit in deiner Musik? Welche Filter benutzt du beispielsweise?

Bei mir ist das ein Schritt, ich suche mir die Stimme oder das Instrument und lege dann einen Echo-Filter oder Ähnliches drauf. Ich geh da nicht ran und sage: Oh jetzt muss ich hier ein Hall haben, sondern ich probier Verschiedenes aus und entscheide mich dann für das was gut klingt.

In mehreren Tracks gibt es Frauenstimmen aus Filmensequenzen zu hören, die du unterlegst mit unheimlich anmutenden Soundlandschaften oder scheppernden, klirrenden Industrialsounds. Die Filmzitate evozieren- zumindest bei mir- eine unbehaglich irritierende Stimmung, da ich als Hörer*in nicht weiß, ob und was den Frauen in deinen Tracks zustößt. Kannst du etwas näher darauf eingehen, welche Rolle diese Filmzitate in deinen Tracks für dich spielen? 

Alle Stimmen kommen aus Filmen, die mich sehr bewegt haben. Manchmal ist es tatsächlich so, dass ich hier sitze, die Musik mache und dabei heule. Ich versuche einfach, wenn ich einen Film gesehen habe, der mich bewegt, diese Stimmung durch Musik wiederzugeben. Oder: vielleicht ist es auch andersherum. Ich versuche mit Musik Emotionen zu erzeugen und dann passt gerade ein Film gut dazu. Dass die Samples in den Liedern meistens von Frauen gesprochen sind, hat wohl die einfache Ursache dass ich mich mit diesen Frauen in dem Moment der Entstehung des Songs identifiziere. Ich denke sogar, dass viele der Songs Botschaften an Menschen sind, mit denen ich mich gerade in Beziehungen befinde oder gerade dabei bin, diese Beziehung aufzulösen (wie in „bang!goes the tenderness“, „c’est vrai, je ne t’aime plus…“). Die Filme aus denen die Samples stammen, waren in dem Auflösungsprozess erkenntnisreich, z.B. in „low trash“. Dort habe ich versucht, diese seltsame Entwicklung in manchen Liebesbeziehungen wiederzugeben, z.B. dass man beginnt, ständig an den Sachen, die der Partner macht herumzunörgeln oder die Sachen in Frage zustellen. In manchen Songs, bei denen du vielleicht den Eindruck hast, dass dieFrauen sich in unklaren/schwierigen Situationen befinden, spiele ich natürlich mit dieser Unklarheit und hoffe genau diese Stimmung zu erzeugen. Aber in „no sundos“ z.b. löse ich am ende die Unklarheit auf, wie man hoffentlich hört. Eigentlich ist es ein Liebeslied.

Was assoziierst du mit dieser Ästhetik des Unheimlichen, die sich durch deine Musik zieht? Kannst du das näher beschreiben?

Das sind natürlich persönliche Sachen. Gerade die Lieder, die mir am besten gefallen, entstehen in Situationen, wo ich was verarbeiten muss, aber es kommt auch ganz viel von musikalischen Einflüssen. Ich höre auch Musik, wo genau sowas passiert. Ich kopiere eigentlich nur die Technik.

NTCR sagt Merci für das Interview. 

Hier entlang zur Soundcloud-Seite von underneath all currents

      

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