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Cio D’Or, langjährige DJ und Musik-Sound-Kreateurin spielte am 04. Mai 2013 auf der Vertigo-Party in Leipzig. KC von NTCR traf sich mit ihr und stellte ihr ein paar Fragen. Die erste Hälfte des Interviews erscheint als Audio zum Hören, der zweite Teil des Interviews- indem es um Musikproduktion geht-  könnt ihr im Beitrag weiter unten nachlesen.

Interview mit Cio D’Or Teil 2:

KC: Wie sieht ein durchschnittlicher Musikproduktionstag/Soundkreationstag bei dir aus?
Es gibt immer andere Tages- oder Wochenprioritäten:
Heute z.B. lautet diese: Setbau. Ich suche nach neuen Stücken anderer Artists, die mich ansprechen und die ich mir vorstellen kann zu kombinieren und so sammel ich neue Tracks, danach folgt die “Einordnung & Filterung & Dramaturgie”. Dabei landen einige Stücke in der Tonne, andere nehme ich in meine Dramaturgie auf. Die Besten landen im Mixordner. Es gibt eigentlich immer andere Aufgaben…jetzt Sets, zwischendurch Gigs, dann einen neuen Mix, danach wieder zurück an meine Technotracks und Klavierstücke….aber eine Aufgabe kostet immer viel Zeit . Egal welche Arbeit ich musikalisch verübe,  Hinterfragungen und Reflektionen gehören immer zur Entwicklung dazu.
Und?…  ich schreibe gerade ein Interview für Euch;)
KC: Welche Rolle spielen Effekte und Effektbearbeitung beim Produzieren und in deinen Tracks? Wie setzt du sie ein?
Meisstens erarbeite ich einen Sound “roh” und “pur”, danach experimentiere ich mit Effekten: Hierbei benutze ich für “freistehende Sounds” eher Delays, Echos ect. oder hole durch EQs mehr die Mitten oder Höhen oder Bässe raus, zudem habe ich Effekte, die eine Kick kürzer und prägnanter werden lässt, auch setzte ich Compressoren ein uvm.
KC: Musikproduktion- das sind – grob gesehen- 3 große Schritte Arrangment-Mixdown-Mastering. Deine Tracks mischst du selber ab. Du hast mal gesagt, dass du es komisch findest, wenn du merkst, dass das Publikum deine eigenen Tracks gut findest, wenn du sie in einem deiner Sets spielst und dass du Tracks deiner befreundeten Künstler*innen viel besser findest als deine eigenen. Warum so selbstkritisch?
Zuerst verbringe ich viel Zeit mit der Soundentwicklung, dann mit dem Arrangement und dann kommt der letzte Schliff vom Mixdown.
Mit einer Abmischung kann man Musik extrem beeinflussen und da habe ich immer besondere Vorstellungen, die manchmal schwierig sind nachzuvollziehen. Ein Freund mixte mal einen Track für mich ab und es war vielleicht technisch richtig gut, aber der Track klang dann anders als ich es wollte. Abmischung hat sowie mit Technik als auch mit Stil, bzw. Geschmack zu tun.
Da ich meine eigenen Stücke teilweise wochenlang höre, brauche ich immer Abstand dazu und setze sie gern innerhalb einer Gesamtdramaturgie für ein Set ein.
& ja, ich bin manchmal erstaunt und auch erfreut, wenn die Crowd bei meinen eigenen Tracks so positiv reagiert. Aber da ich eine “Immersuchende” bin, verehre ich auch einige meiner Kollegen und Kolleginnen. Dennoch überlege ich derzeit, mal ein reines Cio D´Or & Remixes Set zu spielen…mal sehen 😉
KC: Du arbeitest mit verschiedenen Soundquellen, unter anderem mit Fieldrecording-Aufnahmen. Welche Rolle spielen für dich Feldaufnahmen in einer Musik, wie Techno, die eher statisch angelegt ist?
Ich nehme eine ganze Menge Sounds auf, wenn ich unterwegs bin und noch Platz für meinen Zoom habe. Aus diesen Aufnahmen schneide ich dann manchmal längere oder kürzere Passagen, um sie meisst verfremdet einzubauen, aber nur, wenn es in ein Stück passt!
KC: Was ist für dich das besondere an Feldaufnahmen?
Feldaufnahmen können mich zudem inspirieren oder auch ein bestimmtes Gefühl vermitteln, nachdem ich gerade Ausschau halte. Nach meiner US-Tour fuhr ich eine Stunde Zug von Düsseldorf nach Köln und nahm die gesamte Fahrt auf und bereits bei der Aufnahme hatte ich einige Sounds im Visier, die ich wohl demnächst einsetzen möchte.
KC: Warum ist Stille wichtig für Musik? (Für dich beziehungsweise allgemein)
Ohne “leer” zu sein, kann ich nichts aufnehmen. Musik nimmt eine Menge Raum ein und irgendwann, so nach 8-12 Stunden Dauerpegel machen die Ohren schlichtweg zu.
Stille ist auch wichtig für mich, um zu reflektieren und Abstand zu gewinnen. Manchmal verwerfe ich einige Soundwege nach einer Stille-Phase und gehe ganz neue Wege, deshalb ist auch ein “unendliches Zeitgefühl” für mich zum Kreieren von Musik so wichtig. Meine Musik braucht Zeit, Stille & “frische Ohren”.

Danke Cio, dass du dir Zeit für das Interview genommen hast.

Cio spielt am 17. Mai im Arma17 in Moscow und am 31. Mai im ://about:blank in Berlin.

Mehr über das musikalische Schaffen, sowie eine Übersicht über die Projekte von Cio D’Or findet ihr auf ihrer Website https://www.cio-dor.de

Eines ihrer aktuellen musikalischen Arbeiten, ist die Zusammenarbeit mit  Regisseur Thierry Brühl. Die von Cio D’Or erarbeitete Komposition heißt: „Distanz“. Der Name des Stückes entstand aus der Idee von Heiko Redlich. Die musikalische Leitung hat Hüseyin Evirgen. Es handelt sich um ein “Taschenopernfestival” mit 5 Musiktheateraufführungen. Der Titel des Festivals heisst: “Endlich Opfer!” Cio D’Ors Komposition wird am 20.09.2013 dort uraufgeführt. Worum es genau geht, könnt ihr unter https://www.klang21.com/ nachlesen:

Wer Cio D’Or noch nicht kennt, kann auf ihrer Soundcloud-Seite eines ihrer großartigen DJ-Sets anhören oder ihren Track „Magnetfluß“

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